WIEDER DAHOAM

…um 2 Uhr in der Nacht kommen wir wieder zu Hause in München an.

Wir sind leicht irritiert, weil wir fast zwei Stunden an der deutsch-österreichischen Grenze warten mussten bis wir endlich auf deutschem Boden waren.

Dies macht uns nachdenklich, wo uns doch jedes Land mit so offenen Armen empfangen hat. Nicht einmal an der iranischen Grenze mussten wir so lange warten.

Für 4 Monate machten wir uns auf um durch 12 Länder zu reisen.

Die meiste Zeit verbrachten wir in Albanien, der Türkei, Georgien, Armenien und dem Iran.

Es war eine einzigartige Reise, wir haben die Zeit sehr genossen. Wir würden es jeder Zeit wieder so machen.

Vielleicht mit noch weniger Dingen an Board und einem dritten Sitz um Tramper mitnehmen zu können.
18854 km fuhr uns „der Dicke“ über Asphaltstraßen und Schotterpisten, durch die Berge und auf die Berge, durch die Wüste und durchs Wasser, an das Meer und in die Städte.

Kleine Wehwehchen zeigten sich von Zeit zu Zeit.

Einen neuen Dieselfilter und einen Ölwechsel haben wir im spendiert und der Luftfilter wurde auch mal durchgeblasen für ein besseres Durchschnaufen.

Und so hat er uns brav bis nach München zurück gefahren und sich somit eine Rundum-Überholung verdient.

Er muss ja wieder fit sein für die nächsten Abenteuer, die da noch kommen mögen.

Die Übernachtungskosten hielten sich gering: 2 Mal schliefen wir auf einer Berghütte, 2 Mal auf einem Campingplatz, 2 Mal im Zelt, 2 Mal privat , 12 Mal im Hotel, 80 Mal im Dachzelt.

Wir durften viele einzigartige Dinge erleben und wunderbare Menschen kennenlernen.

Wir haben Berge bestiegen, wir sind im Meer mit den Fischen getaucht, in der Sonne am Strand gelegen, in Seen geschwommen, wir waren on the road mit unsrem Dicken, wir schwebten in kulinarischen Sphären, wir besuchten einsame Dörfchen, wir verbrachten mit wunderbaren Menschen Zeit, wurden eingeladen und beherbergt, besuchten Städte, Moscheen, Kirchen, Kapellen, Klöster, Museen, Ausgrabungsstätten, Höhlen, unterirdische Städte, Feuertempel, Heiligtümer, Felsenhäuser…

Da stellte sich schon manchmal ein Zustand der Reizüberflutung ein, der uns mürbe machte. In der Mitte der Reise kam es uns schon so vor als wären die Erlebnisse vom Anfang vom Urlaub im letzten Jahr gewesen.

Wir mussten Vieles entbehren und hatten doch alles was wir brauchten.

Wir durften vieles Neues kennenlernen und unseren Horizont erweitern.

An die eigenen Grenzen gehen, um die nächste Ecke blicken, Anspannung, was passiert als Nächstes, große Gefühle erleben, tiefste Dankbarkeit, unaussprechliche Freude, Adrenalin im Blut, Vertrauen, plötzliche Tiefs, Probleme lösen, Sand auf der Haut, Sonne im Gesicht, Rückenwind, der Blick zum ewigen Horizont, tief durchatmen, natürlich sein, Momente genießen…

…lass dich gehen!

Danke, dass ihr uns begleitet habt!

EIN ABSTECHER IN DIE TÜRKEI

Unsere letzte Etappe die Türkei haben wir dann endlich mal zum Urlaubmachen genützt, d.h. wir verweilten an einem Ort mal länger als einen Tag, ließen jegliche Ausgrabungsstätten links liegen und meideten große Städte.

Die Türkei ist ein Land mit vielen Facetten. Istanbul groß, laut und lebendig. Die Schwarzmeerküste industriell, dreckig und wenige Restbereiche mit Charme und Schönheit. Doch fährt man von der Küste ins gebirgige Hinterland offenbart sich eine ganz andere Türkei natürlich, wild und unberührt. Der Osten, für uns nicht zugänglich, aus der Ferne betrachtet, ewige Weite und dünn besiedelt. Die Mitte des Landes wie Kappadokien, faszinierend und landschaftlich einmalig. Die Mittelmeerküste abseits der Touristengebiete ländlich, vom Obst und Gemüseanbau geprägt. Das Meer, weit und zum Baden einladend, umgeben von viel Grün und einigen Gebirgszügen.

Das was das Land zu einem lohnenden Reiseziel macht sind vor allem die Menschen. Auch hier wurden wir mehrmals eingeladen oder uns wurden Dinge geschenkt, die Leute gingen immer positiv auf uns zu, ein Chai war immer sofort herbeigebracht.

Die Türken sind sehr nett und hilfsbereit, Gastfreundlichkeit ist eine Selbstverständlichkeit.

Hält man sich allerdings nur in Touristengebieten auf wird man dies immer weniger finden.

Wie ein türkischer Freund sagte: „Türken die mit Touristen zu tun haben und dadurch ihr Geld verdienen sind verdorben und verhalten sich nicht mehr türkisch. Wenn du in meinem Land bist, dann bist du mein Gast und ich lade dich herzlich ein und dies passiert ohne eine finanzielle Gegenleistung.“

DER IRAN ODER TREFFENDER: PERSIEN

Wenn man so reist wie wir lernt man ein Land erst richtig kennen. Man muss mitten drin sein. Nicht an irgendeinem Flughafen landen und dann von Stadt zu Stadt, von Hotel zu Hotel springen. Man muss raus, in die Dörfer, auf die Berge, in die Wüste, in die endlegensten Ecken. Dann kann man vielleicht von sich sagen, dass man das Land und die Leute ein bisschen kennengelernt hat.

Der Iran ist rießig, 4 mal so groß wie Deutschland.

Eindeutig zu groß für ein 30 Tage Visum.

Unzählige Kilometer haben wir im Iran zurückgelegt, zwischendurch haben wir auch mal angehalten und es hat sich gelohnt.
Der Iran ist ein wunderbares Land und die Menschen hier sind einzigartig.

Noch nie wurde uns so viel Gastfreundschaft wie hier entgegen gebracht.

Die Leute winken uns zu, hupen, begrüßen uns auf der Straße und wollen Fotos mit uns machen. Wer sich einmal als Superstar fühlen will, der sollte in den Iran fahren.
Die Menschen hier sind freundlich, offen, unglaublich großzügig und selbstlos.

Wie oft haben wir Dinge geschenkt bekommen, sei es die Maut auf der Autobahn, Benzin, Obst und Gemüse oder ein dringend benötigter Haarschnitt.

Menschen, die uns nicht kennen, nichts von uns wissen, begrüßen uns herzlich und zahlen unsere Einkäufe oder bieten ihre Hilfe an, gar nicht erst die Rede von den vielen Iranern, die uns zu sich nach Hause eingeladen haben und uns bewirtet haben. Selbst wenn nicht viel vorhanden war, das Beste was sie hatten wurde uns angeboten.

Menschen, die handelten ohne uns zu kennen, ohne unsere Sprache zu sprechen und ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Wie kann das sein? Das hatten wir so nicht erwartet! Dies hat uns tief im Herzen berührt. Das regt zum nachdenken an, auch über sein eigenes Handeln und Tun im Alltag. Die Iraner sind sicher ein gutes Vorbild.

Kulturell hat der Iran sehr viel zu bieten. Auch wir besuchten alte Städte wie Persepolis, Feuertempel, Moscheen, Paläste, Heiligtümer, Festungen, Brücken, Basare, Windtürme, Wüstenstädte, Gräber und vieles mehr. Somit tauchten wir in die Historie und Kultur des Landes ein und lernten auch den Islam kennen.

Aber das Sammeln von Sehenswürdigkeiten war uns nie wichtig, wir wollten lieber das Land und die Leute erleben.

Die Weite des Landes machte es uns leicht immer gute und abgelegene Stellplätze zu finden, oft in wirklich atemberaubender Landschaft, in der Salzwüste, an Salzseen, zwischen den Sanddünen, im Gebirge, in Steppenlandschaft, meist menschenleer und still.

Es gab keinen Moment in dem wir uns unwohl gefühlt haben, auch ich als Frau. Gewisse Regeln sollte man einhalten und an das Kopftuch gewöhnt man sich schnell, wenn man herausgefunden hat, wie es auch bei Wind auf dem Kopf bleibt.

Der Iran ist sehr sicher, die Polizei ist sehr präsent, aber nicht aufdringlich. Sie bestraft am liebsten Verkehrssünder.

Kein einziges Vorurteil über den Iran wurde bestätigt, im Gegenteil, dieses Land ist ein fantastisches Reiseziel, dazu tragen die Menschen einen großen Teil dazu bei.

Man kann dem Land nur wünschen, dass es sich weiter öffnet und trotz dann wachsendem Tourismus seinen Charme nicht verliert.

EIN GANZ NORMALER TAG VON ZWEI REISENDEN IM IRAN….

Wie immer kocht uns um 6 Uhr in der Früh die Sonne aus dem Dachzelt.

Na gut, wer um 20 Uhr am Abend ins Bett geht, der kann auch um 6 Uhr in der Früh aufstehen.

Nach dem klassischen Honigbrot und Apfelfrühstück geht’s wieder auf die Piste.

Wir haben heut viel vor. Wir sind in der Wüste Dasht –e-Kavir und auf der Suche nach der Oase Arousan. Wir kennen den Weg nicht genau, aber wir wissen die Himmelsrichtung und so picken wir uns wagemutig eine Schotterpiste raus, die nach Osten führt. Ob das wohl der richtige Weg ist?

Nach einer Stunde entdecken wir in der Ferne eine Oase. Nach Arousan geht’s eigentlich in die andre Richtung?!

Aber wir schauen sie uns mal an, so etwas sieht man ja nicht alle Tage. Die Palmen und das Grün laden zu einem Besuch ein, hier in der heißen, trockenen und lebensbedrohlichen Wüste.

Wir kommen langsam näher, es ist erst kurz nach 8.

„Wohnt hier wer? Können wir da einfach hinfahren? Wir werfen einfach mal einen Blick aus der Nähe drauf.“

Wir fahren ran. Niemand zu sehen. Wir fahren vorbei. Wir drehen um.

„Da, da ist jemand! Er winkt! Sollen wir mal vorbeischauen? Ja…eh.. nein. Ok machen wir’s.“

Wir fahren ran.

„Sollen wir aussteigen? Da ist niemand. Doch da! Ok wir steigen aus!“

Ein Mann und drei Jungen stehen vor dem Haus und begrüßen uns.

„Salam!“

Wir zeigen auf die Karte und fragen nach Arousan. Er deutet mit dem Finger auf den Boden.

„Achso, das hier ist die Oase Arousan!“

Gut, dass wir uns entschieden haben hier vorbei zu fahren, die Suche hätte sonst kein gutes Ende gefunden.

Leider können sie kein Englisch. Wir wollen schon gehen, als er uns mit einer schwenkenden Armbewegung andeutet, dass wir uns die Oase mal anschauen können.

Wir schlendern an Palmen und halb zerfallenen Häuschen vorbei, da ein Kamel, dort ein paar Ziegen.

Als wir zurückkommen schenkt er uns frisch vom Baum gepflückte Granatäpfel und dann kommt es….

“Chai?“ Wir nicken synchron, gern trinken wir hier einen Schwarztee.

Durch einen verwinkelten Gang gelangen wir in einen Innenhof und finden dort unerwartet die ganze Familie vor, 12 Leute.

Wir werden herzlich begrüßt und man serviert uns Chai.

Eine Frau kann ein paar Brocken Englisch so kann man das Wichtigste mitteilen.

„ Germany-Iran-Maschine“ „Ahhhhh!“ Begeistertes Nicken.

Plötzlich öffnet die Dame des Hauses einen Topf und holt etwas Undefinierbares heraus.

Das Tablett nähert sich uns, es dampft.

„Ahaaa mmhhh, “ sagen wir begeistert und hoffen insgeheim, dass wir den Schafskopf auf dem Teller jetzt nicht wirklich essen müssen.

Doch, er wird uns angepriesen. Zum Glück verstehen sie, „we had already breakfast.“

Und so macht sich die ganze Familie über drei Schafsköpfe her, Augen, Gehirn, Haut und Fleisch bis nur noch der Knochen übrig bleibt.

Selbst der 1 Jährige kaut an einem Knochen und verwendet ihn als Beißring.

Wir nippen lieber an unserem Chai.

Die Familie ist sehr herzlich, auch der 87 Jahre alte Großvater freut sich sehr über unsren Besuch.

Neugierig begutachten sie unsren Nissan, was der alles kann.
Gandi spielt mit den Jungs Frisbee. Als wir gehen wollen bekommt er noch einen Schal geschenkt, weil er erwähnt hatte, dass er ihm gefällt. Im Austausch verschenkt er eines seiner Hemden.

Wir entscheiden auf gut Glück noch weiter in die Wüste rein zu fahren, wir finden eine Sandpiste…

…“nur ne halbe Stunde…nur bis da hinten….boa sieht das toll aus….nur bis zum nächsten Berg…..da noch ein Canyon“…

zwei Stunden vergehen und wir stehen mitten in der Wüste auf einer Erhöhung mit freiem Blick auf die ausgetrocknete Salzwüste.

„Sollen wir weiter fahren? Wir brauchen eine Straße Richtung Süden, das ist jetzt Osten…wir probieren es!“

Der Adrenalinspiegel steigt, aber Sprit haben wir genug. Hier ist schon länger keiner mehr unterwegs gewesen. Der Patroli kämpft sich durch Geröll, Schotter, Sand und Salz und erst als wir auf dem GPS erkennen können, dass wir irgendwann wieder eine Teerstraße erreichen werden, sind wir erleichtert.

„Geschafft!“ Nun geht’s weiter Richtung Teheran.

Kaum ein Stück auf der Teerstraße gefahren, Polizeikontrolle. Zwei junge Polizisten winken, wir halten an. Sie lachen und gucken vorn zu uns rein und plaudern angeregt. Sie sprechen kein Englisch und sind anscheinend auch nicht an einer Kontrolle interessiert, sondern eher an uns und dem Auto.

Irgendwann frägt Gandi: „Passport?“

Keine Reaktion. Der Eine will uns irgendetwas sagen.

Gandi drückt ihnen den Führerschein in die Hand, sie begutachten das Stück Plastik interessiert.

Es stellt sich heraus, dass der Eine gerne Gandi’s neuen Schal hätte, wir schütteln heftig den Kopf und besänftigen die Zwei mit Karamellbonbons. Wir dürfen weiterfahren.

15 min später, Lichthupe vom Gegenverkehr. „Polizeikontrolle schon wieder oder nur Begrüßung?“

Da steht ein Polizeiauto am Straßenrand, schnell mal die Geschwindigkeit ein bisschen drosseln.

Und plötzlich springen zwei Polizisten raus und fuchteln wie wild.

„Oh nein, jetzt haben sie uns….wegen was auch immer, aber sie haben uns!“

Wir legen eine Vollbremsung hin bis wir erkennen, dass die zwei Polizisten uns freudestrahlend weiter winken.

Der Tagesbedarf an Adrenalin ist nun überschritten.

Tanken wäre noch recht.

Da der Patroli den Sprit hier nicht so gut verträgt entscheiden wir uns mit dem Filter zu tanken. Ich halte ihn, Gandi befüllt ihn mit Gasoil (Diesel).

Langsam füllt er sich, doch plötzlich schießt der Sprit schwallartig in den Trichter und ich bin über und über voll mit Diesel, vom Kopftuch bis zu den Schuhen…

Fassungslos steh ich da… dabei hatte ich doch extra den Ärmel hinter gekrempelt…

Bei der nächsten Wüstenpiste biegen wir ab, erst einmal Klamotten wechseln und Kleidung waschen. Der Geruch sollte uns noch einige Tage begleiten.

Wir fahren noch ein bisschen und finden dann einen schönen Stellplatz.

Wir sammeln Holz und machen Feuer, kochen mit dem Dutch-Oven, genießen den Sonnenuntergang in der Wüste.

Und wie immer wird uns morgen die Sonne um 6 Uhr in der Früh aus dem Dachzelt treiben.

Ein ganz normaler Tag von zwei Reisenden im Iran…

ARAGATSBESTEIGUNG – DER HÖCHSTE BERG ARMENIENS

Der höchste Berg Armeniens ist der Aragats, ein ehemaliger Vulkan, um dessen Krater sich 4 Gipfel herheben: Süd-, West-, Nord- und Ostgipfel.

Einer dieser Gipfel sollte es sein, am besten der Höchste mit 4092 m, der Nordgipfel.

Da das Wetter bei solchen Aktionen meistens nicht auf unsrer Seite ist, entschieden wir uns diesmal auf Nummer sicher zu gehen und vertrödelten noch ein bisschen Zeit in der Hauptstadt Yerevan bis optimale Bedingungen angesagt waren:

Blauer Himmel, Sonnenschein. Perfekt! Los geht’s!

Um halb 5 in der Früh schälten wir uns aus unsren warmen Schlafsäcken um beim Wandern noch etwas von der schönen Morgenstimmung mitzubekommen…..

…bei 0 Grad ersehnten wir die ersten Sonnenstrahlen herbei.

Wir marschierten los……… blauer Himmel……und nach einer Stunde schob sich die Sonne hinter dem Bergrücken empor. Beste Bedingungen.

Nach drei Stunden hatten wir den Sattel zwischen Süd- und Ostgipfel erreicht und der Blick auf den „Krater“ wurde frei.

Herrlich! Und da war er nun direkt vor uns der Nordgipfel, imposant und mit Schnee bedeckt…..Grödel hatten wir dabei, aber keine Gamaschen…wir machten Brotzeit und grübelten von welcher Seite man wohl auf diese imposante Felsformation hoch gehen könnte.

Dann starteten wir hinab in den Krater um auf der anderen Seite wieder empor zu wandern. Unten angekommen fiel unser Blick auf die sich vor uns auftürmende Gewitterwolke, die mit jeder Sekunde weiter in den Himmel wuchs.

„Das kann nicht wahr sein!“ Aufgrund der imposanten Erscheinung entschieden wir uns umzudrehen und den Krater wieder hoch zu laufen.
Aber die Aragatsbesteigung wollten wir uns nicht nehmen lassen und bestiegen über die Schneeseite den Südgipfel, immerhin 3898 m.

Der Nebel verdichtete sich, ein eisiger Wind blies. Wir entschieden uns für einen schnellen Abstieg.

Und trotz der blauen Himmel-Sonnenschein-Vorhersage fing es nun an leicht zu regnen und zu graupeln…..“grrr.“

Nun war das Auto schon in Sichtweite und wir freuten uns, dass wir diesmal nicht mit total nassen Klamotten dort ankommen.

Neben dem Weg parkte ein Armenier mit seinem 4×4 Auto und war grad dabei es sich ein bisschen gemütlich zu machen.

Er sprach uns an, russisch können wir leider immer noch nicht., aber „coffee“ verstanden wir, wir nickten.

Er war sehr skurril, mit seinem alten Adidas-Jogginganzug, Gummistiefeln und einer Weste mit Taschen, in denen sich alles Mögliche befand.

Sein klappriges Auto war Messi-mäßig beladen, aber es schien so als würde man dort drin alles finden was man zum Überleben benötigte.

Um es vorweg zu nehmen, es dauerte 2 Stunden bis wir endlich eine kleine warme Tasse Kaffee in unsren Händen hielten.

Erstmal wurden die Utensilien für das Projekt „coffee“ in aller Ruhe zusammengesammelt….Steine, Holz, Kaffeetopf und eine Zange um ihn drauf zu stellen.

Er rührte den Kaffee an und packte nebenbei alles Mögliche zum Essen aus und platzierte und präsentierte es auf der Motorhaube:

Selbstgepflückter Tee, Pfannkuchen, Honig, unreife, noch mit beiden Schalen versehene Wallnüsse, die wurden schnell halbiert und uns zum probieren angeboten…naja.

Ach ja coffee…

1 Versuch ein Feuer zu machen…..wieder aus.

2 Versuch: Mehr Holz, Axt im Auto suchen….wieder aus.

3 Versuch: Größere Steine als Windschutz…..wieder aus.

4 Versuch: Zwei Feuerfächer aus dem Auto….wieder aus.

5 Versuch: Zeitungspapier, davor aber kurz noch lesen…..wieder aus.

Ok, erstmal einen Apfel aufschneiden, Brot mit Honig…

Es donnert…

6 Versuch: Ein Stein unter das Holz legen….wieder aus.

7 Versuch: Benzin…..wieder aus.

Noch ne Walnuss, noch mehr Honigbrot…

Es zieht zu, es wird kälter…

8 Versuch: Noch mehr Benzin…..es brennt leicht.

Zwei polnische Wanderer kommen, er läd sie auch auf einen coffee ein.

Es fängt an zu nieseln…

Der Kaffee ist lauwarm, er schenkt ein, die zwei Polen trinken ihn.

Neuen Kaffee anrühren.

Es regnet leicht…

9 Versuch: Eine Schachtel Streichhölzer….wieder aus.

Es fängt an zu graupeln…

Erstmal ein bisschen Gurke abschälen und essen…

10 Versuch: Benzin, Schachtel Streichhölzer, Feuerfächer….wieder aus.

Es hagelt….

Wir stellen uns mit den Polen Adam und Agar unter einen Verschlag, er probiert es weiter.

Er bringt uns aufgeschnittene Tomaten vorbei…

Es hagelt so stark, dass alles weiß ist…

Wir wechseln in einen kleines Steinhäuschen…

Mittlerweile sind wir so durchgefroren und nass, dass wir gerne auf den Kaffee verzichten würden.

Das Spiel beginnt von vorne, er baut die Kochstelle im Steinhäuschen auf…

Ein Mann der in der Nähe wohnt kommt vorbei.

Er holt so etwas wie Grillanzünder.

Wir müssen unser Schutzhäuschen verlassen, die Rauchentwicklung ist zu groß.

14 Versuch: Grillanzünder….. das Feuer brennt, der „coffee“ kocht.

Wir trinken warmen Kaffee, dank dem unermüdlichen Einsatzes unseres Freundes, mit Sicherheit den Besten, den wir je getrunken haben!

GEORGIEN

24 Tage haben wir in diesem wunderbaren Land verbracht.

Fährt man über die Grenze in ein unbekanntes Land sind wir immer ein bisschen aufgeregt.

Man weiß noch nicht wie die Leute drauf sind, wo man Geld abheben kann, ob die Autofahrer verrückt durch die Gegend fahren oder nicht, ob es Euro-Diesel gibt, was für Lebensmittel es zu kaufen gibt, wie sind die Preise und kann man sich überall hinstellen zum Übernachten.

In Georgien ist es wie folgt:

Die Menschen gucken immer grimmig, gelacht wird wahrscheinlich nur heimlich. Bei näherem Kennenlernen sind sie ganz nett.

Mit Winken aus dem Auto oder Nicken bekommt man hier keine Antwort, da muss man schon hupen zur Begrüßung.

Bei den Männern ist es wahrscheinlich so, je größer der Bauch, desto größer das Ansehen.

Die Leute leben in stark renovierungsbedürftigen Häusern, viele sind verlassen, man erkennt, dass sie einmal glanzvoll waren.

Die Autofahrer sind wahnsinnig, am liebsten fährt der Gegenverkehr auf deiner Spur, überholt wird immer, egal ob Gegenverkehr kommt oder nicht.

Stoßstangen, Nummernschilder, Licht sind doch überbewertet, wer braucht das schon.

Es kann schon Mal sein, dass dich grüne, rote oder blaue Scheinwerfer anleuchten.

Die Straßen können jederzeit zu einer Offroadpiste werden, auch wenn sie in der Karte als Hauptverkehrsstrecke eingezeichnet sind.

Neben den Autofahrern muss man auf der Straße noch auf die frei herumlaufenden Tiere achten. Alles ist frei, Kühe, Pferde, Schweine, Hühner, Gänse etc.

Die sind garantiert Bio.
Man sieht auch viele Hunde, die sich in Gangs zusammengeschlossen haben und die die Gegend unsicher machen.

Die Landschaft ist sehr schön, ewiges Grün in allen Varianten, hohe Berge und Flüsse. DieHalbwüste im süd-osten ist eine willkommene Abwechslung.

Das Essen ist sehr gut, Khinkali sind mit Fleisch, Kartoffeln oder Pilzen gefüllte Teigtaschen oder Chatschapuri, das typische Brot, das mit Käse oder Kartoffeln gefüllt ist.

Also wer eine schöne Landschaft genießen und erwandern will, viel Offroad fahren will, gut essen möchte und einsame Stellplätze bevorzugt ist hier richtig.

Tiflis/Tbilisi

Die Hauptstadt Georgiens bescherte uns eine wunderbare Zeit. Eine sehr offene und lebendige Stadt, charakterisiert durch alte Häuschen, die von vergangenen besseren Zeiten zeugen. Ein Umbruch ist aber überall sichtbar, alte Häuser werden renoviert, neue moderne Bauwerke gebaut und historische Mauern wieder ausgegraben.

Nach 3 erholsamen Tagen in Tbilisi, geht es für uns weiter ins Hinterland….

EMSA DER HIRTE

……Glück gehabt, heut haben wir einen guten Schlafplatz gefunden, windgeschützt und versteckt zwischen zwei Hügeln, hier wird uns niemand stören.

Doch dann hören wir plötzlich Schafe und flüchten uns ins Dachzelt, weil wir jeglichen Kontakt mit den Hirtenhunden, die selbst Autos angreifen, vermeiden wollen.

Wir beobachten, wie die Schafsherde an unsrem Nest vorbeizieht, für den Schäfer bleiben wir erst einmal unentdeckt.

Doch plötzlich steht er vor uns und ist überrascht hier ein Auto vorzufinden und dann noch mit so einem Ding auf dem Dach, aus dem zwei Köpfe rausgucken.

Er fuchtelt aufgeregt um sich und wir verstehen, dass Emsa uns in sein „Dorf“, zu sich nach Hause, zum Essen einladen will und dass wir dort schlafen sollen.

Eigentlich hatten wir grad gegessen und der Platz war uns auch sehr recht, aber wir stimmen letztendlich zu.

Eine gute Entscheidung! Im Dorf angekommen muss Emsa erst einmal die scharfen Hirtenhunde beruhigen, die ihr Revier bis aufs Blut verteidigen und davon gibt es 20 Stück für 5 Hütten. Er wird uns in der Zeit im Dorf jedes Mal begleiten um uns vor den Hunden zu schützen.

Die Hütten werden von einer Sippe bewohnt. Oma, Mutter und Vater, die drei Söhne mit ihren Frauen und Kindern und Emsa mit seiner Freundin.

Die Männer sind Hirten, sie hüten 2000 Schafe, schlachten sie und fahren ab und zu in die Stadt nach Tiflis um ihre selbstgemachten Lebensmittel zu verkaufen.

Die Frauen sind für die Kühe zuständig (150 Stück) und stellen all diese wunderbaren Leckerbissen der georgischen Küche her.

Wie wir das erfahren haben ohne georgisch oder russisch zu können? Da wurde auf die Frau gezeigt, dann „muhhh“ gemacht, dann auf das leckere Joghurt: Ist das „muhhh“ oder „mähhh“ usw.

Da saßen wir nun in der Hütte, die sehr gemütlich war, zwei Betten, ein Holzofen, ein Regal, ein Tisch und Stühle. Das Dorf hatte so langsam mitbekommen, dass Emsa irgendwen mitgebracht hatte und so schauten nach und nach die Kinder des Dorfes mit ihren Köpfen durch die Tür, einige erschraken und versteckten sich gleich wieder, andre trauten sich rein und beäugten uns erst einmal.

Der Tisch wurde flink gedeckt….Brot, Butter, Käse, Joghurt, Fleisch, Himbeeren und Sahne. Was für ein Schmaus!

Die Hütte wurde immer voller, einer nach dem andren kam auf ein Glas Chai-Tee vorbei, zu späterer Stunde war dann die ganze Sippe in einem Zelt und obwohl keiner die Sprache des anderen konnte, war es ein sehr geselliger und lustiger Abend.

HALLO LIEBE FREUNDE!

Endlich geht’s los! Viele Stunden haben wir in unseren “Dicken” (Nissan Patrol) gesteckt um ihn für die nächsten 4 Monate zu unserem zu Hause zu machen.

Bis zum Schluss blieb es spannend, ob er ein treuer Reisegefährte wird.

Doch nach mehreren Besuchen bei unserer Nissanwerkstatt des Vertrauens stand der Reise nichts mehr im Weg.

Über unsre Reiseroute lässt sich noch nicht so viel sagen, wir lassen uns treiben vom Schicksal und leiten durch Begegnungen.

In München begann unser kleines Abenteuer, durch Kroatien ging es nach Albanien, dem wir ein bisschen Zeit witmeten, durch Griechenland in die Türkei, dann folgt Georgien, Armenien und der Iran.

Da so viele Freunde, Kollegen und Familienmitglieder an Bildern unserer Reise interessiert sind, haben wir uns jetzt doch dafür entschieden einen kleinen Blog zu machen.

Seid aber bitte nicht traurig, wenn sich lange nichts Neues auf der Seite tut, da wir vermehrt in Gegenden unterwegs sind, wo wir kein Internet haben.

Auf unserem Blog werdet ihr bereits auch ein paar Bilder von Gandalf’s neuen freien Projekt “Tracks” sehen.

Bei dem Projekt geht es um die unterschiedlichsten Formen von Pfaden, Wegen und Straßen.

Wir wünschen euch viel Spaß beim schmökern!

Sabi und Gandi