EIN GANZ NORMALER TAG VON ZWEI REISENDEN IM IRAN….

Wie immer kocht uns um 6 Uhr in der Früh die Sonne aus dem Dachzelt.

Na gut, wer um 20 Uhr am Abend ins Bett geht, der kann auch um 6 Uhr in der Früh aufstehen.

Nach dem klassischen Honigbrot und Apfelfrühstück geht’s wieder auf die Piste.

Wir haben heut viel vor. Wir sind in der Wüste Dasht –e-Kavir und auf der Suche nach der Oase Arousan. Wir kennen den Weg nicht genau, aber wir wissen die Himmelsrichtung und so picken wir uns wagemutig eine Schotterpiste raus, die nach Osten führt. Ob das wohl der richtige Weg ist?

Nach einer Stunde entdecken wir in der Ferne eine Oase. Nach Arousan geht’s eigentlich in die andre Richtung?!

Aber wir schauen sie uns mal an, so etwas sieht man ja nicht alle Tage. Die Palmen und das Grün laden zu einem Besuch ein, hier in der heißen, trockenen und lebensbedrohlichen Wüste.

Wir kommen langsam näher, es ist erst kurz nach 8.

„Wohnt hier wer? Können wir da einfach hinfahren? Wir werfen einfach mal einen Blick aus der Nähe drauf.“

Wir fahren ran. Niemand zu sehen. Wir fahren vorbei. Wir drehen um.

„Da, da ist jemand! Er winkt! Sollen wir mal vorbeischauen? Ja…eh.. nein. Ok machen wir’s.“

Wir fahren ran.

„Sollen wir aussteigen? Da ist niemand. Doch da! Ok wir steigen aus!“

Ein Mann und drei Jungen stehen vor dem Haus und begrüßen uns.

„Salam!“

Wir zeigen auf die Karte und fragen nach Arousan. Er deutet mit dem Finger auf den Boden.

„Achso, das hier ist die Oase Arousan!“

Gut, dass wir uns entschieden haben hier vorbei zu fahren, die Suche hätte sonst kein gutes Ende gefunden.

Leider können sie kein Englisch. Wir wollen schon gehen, als er uns mit einer schwenkenden Armbewegung andeutet, dass wir uns die Oase mal anschauen können.

Wir schlendern an Palmen und halb zerfallenen Häuschen vorbei, da ein Kamel, dort ein paar Ziegen.

Als wir zurückkommen schenkt er uns frisch vom Baum gepflückte Granatäpfel und dann kommt es….

“Chai?“ Wir nicken synchron, gern trinken wir hier einen Schwarztee.

Durch einen verwinkelten Gang gelangen wir in einen Innenhof und finden dort unerwartet die ganze Familie vor, 12 Leute.

Wir werden herzlich begrüßt und man serviert uns Chai.

Eine Frau kann ein paar Brocken Englisch so kann man das Wichtigste mitteilen.

„ Germany-Iran-Maschine“ „Ahhhhh!“ Begeistertes Nicken.

Plötzlich öffnet die Dame des Hauses einen Topf und holt etwas Undefinierbares heraus.

Das Tablett nähert sich uns, es dampft.

„Ahaaa mmhhh, “ sagen wir begeistert und hoffen insgeheim, dass wir den Schafskopf auf dem Teller jetzt nicht wirklich essen müssen.

Doch, er wird uns angepriesen. Zum Glück verstehen sie, „we had already breakfast.“

Und so macht sich die ganze Familie über drei Schafsköpfe her, Augen, Gehirn, Haut und Fleisch bis nur noch der Knochen übrig bleibt.

Selbst der 1 Jährige kaut an einem Knochen und verwendet ihn als Beißring.

Wir nippen lieber an unserem Chai.

Die Familie ist sehr herzlich, auch der 87 Jahre alte Großvater freut sich sehr über unsren Besuch.

Neugierig begutachten sie unsren Nissan, was der alles kann.
Gandi spielt mit den Jungs Frisbee. Als wir gehen wollen bekommt er noch einen Schal geschenkt, weil er erwähnt hatte, dass er ihm gefällt. Im Austausch verschenkt er eines seiner Hemden.

Wir entscheiden auf gut Glück noch weiter in die Wüste rein zu fahren, wir finden eine Sandpiste…

…“nur ne halbe Stunde…nur bis da hinten….boa sieht das toll aus….nur bis zum nächsten Berg…..da noch ein Canyon“…

zwei Stunden vergehen und wir stehen mitten in der Wüste auf einer Erhöhung mit freiem Blick auf die ausgetrocknete Salzwüste.

„Sollen wir weiter fahren? Wir brauchen eine Straße Richtung Süden, das ist jetzt Osten…wir probieren es!“

Der Adrenalinspiegel steigt, aber Sprit haben wir genug. Hier ist schon länger keiner mehr unterwegs gewesen. Der Patroli kämpft sich durch Geröll, Schotter, Sand und Salz und erst als wir auf dem GPS erkennen können, dass wir irgendwann wieder eine Teerstraße erreichen werden, sind wir erleichtert.

„Geschafft!“ Nun geht’s weiter Richtung Teheran.

Kaum ein Stück auf der Teerstraße gefahren, Polizeikontrolle. Zwei junge Polizisten winken, wir halten an. Sie lachen und gucken vorn zu uns rein und plaudern angeregt. Sie sprechen kein Englisch und sind anscheinend auch nicht an einer Kontrolle interessiert, sondern eher an uns und dem Auto.

Irgendwann frägt Gandi: „Passport?“

Keine Reaktion. Der Eine will uns irgendetwas sagen.

Gandi drückt ihnen den Führerschein in die Hand, sie begutachten das Stück Plastik interessiert.

Es stellt sich heraus, dass der Eine gerne Gandi’s neuen Schal hätte, wir schütteln heftig den Kopf und besänftigen die Zwei mit Karamellbonbons. Wir dürfen weiterfahren.

15 min später, Lichthupe vom Gegenverkehr. „Polizeikontrolle schon wieder oder nur Begrüßung?“

Da steht ein Polizeiauto am Straßenrand, schnell mal die Geschwindigkeit ein bisschen drosseln.

Und plötzlich springen zwei Polizisten raus und fuchteln wie wild.

„Oh nein, jetzt haben sie uns….wegen was auch immer, aber sie haben uns!“

Wir legen eine Vollbremsung hin bis wir erkennen, dass die zwei Polizisten uns freudestrahlend weiter winken.

Der Tagesbedarf an Adrenalin ist nun überschritten.

Tanken wäre noch recht.

Da der Patroli den Sprit hier nicht so gut verträgt entscheiden wir uns mit dem Filter zu tanken. Ich halte ihn, Gandi befüllt ihn mit Gasoil (Diesel).

Langsam füllt er sich, doch plötzlich schießt der Sprit schwallartig in den Trichter und ich bin über und über voll mit Diesel, vom Kopftuch bis zu den Schuhen…

Fassungslos steh ich da… dabei hatte ich doch extra den Ärmel hinter gekrempelt…

Bei der nächsten Wüstenpiste biegen wir ab, erst einmal Klamotten wechseln und Kleidung waschen. Der Geruch sollte uns noch einige Tage begleiten.

Wir fahren noch ein bisschen und finden dann einen schönen Stellplatz.

Wir sammeln Holz und machen Feuer, kochen mit dem Dutch-Oven, genießen den Sonnenuntergang in der Wüste.

Und wie immer wird uns morgen die Sonne um 6 Uhr in der Früh aus dem Dachzelt treiben.

Ein ganz normaler Tag von zwei Reisenden im Iran…